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Kein Herz keine Leistung

Ob Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagiert arbeiten und zufrieden sind, ist vor allem eine Frage der emotionalen Bindung an das Unternehmen. 

Fühlt man sich verbunden, macht das den entscheidenden Unterschied. Fühlt man sich hingegen nur verpflichtet oder ist das Bleiben nur Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Abwägung, hat das spürbare Konsequenzen.


Die drei Bindungsdimensionen:

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Affektive Bindung: Arbeitnehmer fühlen sich ihrem Arbeitgeber zugehörig und sind emotional gebunden

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Normative Bindung: Arbeitnehmer fühlen sich ihrem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet und hätten ein schlechtes Gewissen, wenn sie gehen würden.

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Rationale Bindung: Arbeitnehmer wägen Aufwand und Nutzen ab und meinen mitunter, dass der Aufwand, den Arbeitgeber zu wechseln, für sie zu groß wäre.

Bindungstypen mit Emotionen

Kernloyale

Die gute Nachricht aus der MAS-Mitarbeiterstudie lautet, dass fast jede dritte abhängig beschäftigte Person in Mitteldeutschland (30 Prozent) zum stark an ihren jeweiligen Arbeitgebergeber gebundenen, loyalen Kern der Belegschaft gehört. Bei dieser Gruppe ist in puncto Zufriedenheit und Bindung alles stimmig: Die Kernloyalen fühlen sich dem Arbeitgeber zugehörig (affektive Bindung) und gegenüber ihren Aufgaben, ihren Vorgesetzten und Kollegen verpflichtet (normative Bindung). Zudem stehen Aufwand und Nutzen für die Kernloyalen in einem guten Verhältnis (rationale Bindung). Sie fühlen sich auf allen drei Dimensionen gebunden.

Engagierte

Bei den Angehörigen dieser Gruppe hat alles geklappt — sie verstehen ihre Aufgaben als Herausforderung und engagieren sich, haben ein starkes Verpflichtungsgefühl und fühlen sich ihrem Arbeitgeber zugehörig. Gleichzeitig sind sie noch nicht so lange im Unternehmen, als dass sie schon Kosten-Nutzen-Überlegungen oder Abwägungen bezüglich des Verhältnisses zwischen Arbeit und Privatleben anstellen würden. Es handelt sich mit knapp 13 Prozent der abhängig Beschäftigten nicht um die größte, aber vielleicht potentialreichste Gruppe. Wie es mit der Bindung bei den Engagierten auf lange Sicht weitergeht, hängt von der Aufgabe, den Entwicklungsmöglichkeiten und den Vorgesetzten ab. Es gibt zwei mögliche Wege — einen guten und einen schlechten: Der gute Weg führt mit steigendem Dienstalter in Richtung der Kernloyalen, mit der Zeit käme mit der rationalen Bindung ein Quentchen Abgeklärtheit und Selbstsorge hinzu. Der schlechte Weg wäre der Verlust der emotionalen Bindung, sodass nur noch das Verpflichtungsgefühl übrig bleibt.

Optimisten

Bei der Gruppe der Optimisten handelt es sich um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ein positives Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen und zu ihrer Aufgabe aufgebaut haben. Zu dieser Gruppe gehören etwa sieben Prozent der mitteldeutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sie fühlen sich ihrem Arbeitgeber zugehörig und gehen gern zur Arbeit. Im gelingenden Fall erwächst aus der emotionalen Bindung mit der Zeit ein Verpflichtungsgefühl und später kommt ggf. noch die rationale Bindung hinzu (Idealfall). Im nicht gelingenden Fall ist die Bindung zu Vorgesetzten und Kollegen zwar zunächst entstanden, mit der Zeit kommt es jedoch immer wieder zu signifikanten Enttäuschungen.

Weise

Eine sehr kleine (knapp fünf Prozent der abhängig Beschäftigten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen), aber interessante Gruppe bilden die affektiv-rational Gebundenen. Sie fühlen sich nach wie vor sehr stark an das Unternehmen gebunden, sind absolut loyal, haben aber gelernt, zwischen den Belangen des Arbeitgebers und den eigenen Grenzen abzuwägen. Ihre Kosten-Nutzen-Bilanz fällt in der Regel positiv aus, sie geben ihr Wissen gern weiter, aber sie engagieren sich nicht mehr um jeden Preis.

Bindungstypen ohne Emotionen

Söldner

Mit knapp einem Fünftel aller abhängig Beschäftigten (19 Prozent) bilden die Söldner die zweitgrößte Gruppe unter den mitteldeutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und verkörpern quasi das Gegenteil der Kernloyalen. Sie gehen mehr oder minder nur zur Arbeit, um Geld zu verdienen, und es ist ihnen gleich, bei welchem Arbeitgeber sie tätig sind. Sie verfügen über keinerlei emotionale Bindung und fühlen sich auch kaum verpflichtet. Auch ist ihnen der Aufwand, den Arbeitgeber zu wechseln, in der Regel nicht zu groß — im Gegenteil: Viele Menschen, die zu dieser Gruppe gehören, sind Arbeitgeberwechsel gewohnt. Innerhalb dieser Gruppe finden sich besonders viele gering qualifizierte und junge Menschen.

Abgekämpfte

Immerhin jede achte abhängig beschäftigte Person gehört in Mitteldeutschland zu einer Gruppe von Arbeitnehmern, die sich nur noch verpflichtet fühlen. „Nur noch“ bedeutet, dass allein ein Verpflichtungsgefühl nicht ausreicht, um engagiert zu arbeiten. Im Gegenteil: Der Job wird von diesen Menschen besonders oft als belastend empfunden, und die Absicht, den Arbeitgeber zu wechseln, ist in dieser Gruppe fast so verbreitet wie unter den Ungebundenen (Anteil der Wechselwilligen bei den Ungebundenen: 60 Prozent; bei den Abgekämpften: 50 Prozent).

Distanzierte

Eine nicht zu verachtende Gruppe (7 Prozent) bilden diejenigen, sie sich einerseits gegenüber ihrer Aufgabe und ihren Kollegen und Vorgesetzten verpflichtet fühlen, andererseits aber abwägen, ob es sich lohnt, sich zu engagieren oder nicht. Wenn das Verpflichtungsgefühl ohne emotionale Bindung bleibt, ist das Belastungsempfinden im Job höher als mit emotionaler Bindung. Also bleibt als „Moderator“ nur die Qualität der rationalen Bindung. Hier kommt es darauf an, ob die Kosten-Nutzen-Analyse positiv ausfällt oder nicht. Im Fall einer positiven Kosten-Nutzen-Bilanz sind die betreffenden Mitarbeiter zwar nicht besonders begeistert von ihrem Arbeitgeber, machen aber ihren Job noch gern. Ihnen fehlt „nur“ die Begeisterung anderer Gruppen.

Abwäger

Ebenfalls etwa sieben Prozent (also etwa jede vierzehnte abhängig beschäftigte Person) der mitteldeutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehören zur Gruppe der ausschließlich rational Gebundenen. Meist höheren Dienstalters sind die zur Gruppe Gehörenden „jenseits“ von Begeisterung, emotionaler Bindung und Verpflichtungsgefühl angekommen. Das heißt nicht, dass dieser Personenkreis nicht gern arbeitet — zumeist besitzen diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine hohe Expertise und umfassende Erfahrungen. Es heißt aber, dass ein „pragmatisch verstandener“ Dienst nach Vorschrift im Vordergrund steht. Man achtet auf Belastungs- und Rollengrenzen und springt im Bedarfsfall nicht mehr unbedingt ein, wenn „Not am Mann“ herrscht.

Haltung gegenüber dem Unternehmen und Wechselwahrscheinlichkeit

Die folgende Grafik zeigt die Verteilung der einzelnen Bindungstypen auf zwei Dimensionen — zum einen wird der Anteil derjenigen dargestellt, sie sich in ihrem Umfeld negativ über das Unternehmen äußern (Kritiker) und zum anderen der Anteil derer, die angeben, dass sie in den kommenden beiden Jahren wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich ihren Arbeitgeber wechseln wollen. Auch hier zeigt sich ein ähnlicher Zusammenhang wie bereits bei der Motivation. Der Anteil der Kritiker ist unter den Arbeitnehmern mit einer emotionalen oder „emotional gefärbten“ Bindung deutlich geringer als unter denjenigen, die keinen emotionalen Bindungsanteil aufweisen. Den höchsten Anteil auf beiden Dimensionen verzeichnen die Söldner. In der Gruppe der ohne emotionalen Anteil Gebundenen zeigen die Abwäger die geringste Wechselbereitschaft. Drei von vier rational gebundenen Arbeitnehmern äußern sich in ihrem Umfeld zwar negativ über ihren Arbeitgeber, aber für einen Arbeitsplatzwechsel wird der Aufwand als zu hoch betrachtet. „Woanders ist es auch nicht anders“, lautet die typische „abgeklärte“ Meinung. Deutlich wird auch, dass es sich bei den Abgekämpften um die Gruppe mit dem zweithöchsten Anteil an Wechselwilligen nach den Söldnern handelt. Insbesondere im Schichtdienst sind diese beiden Gruppen nach unseren Erfahrungen besonders anfällig — die Abgekämpften für Belastungen und die Söldner für Absentismus.


Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber und mit der Bezahlung

Auch hinsichtlich der Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber und mit der Bezahlung zeigt sich ein ähnliches Bild. Die auf beiden Dimensionen Zufriedensten sind dieKernloyalen. Am unzufriedensten sind hingegen wiederum die Söldner. Die verbleibenden Bindungstypen lassen sich wiederum zu zwei deutlich voneinander entfernten Gruppen zusammenfassen — denjenigen mit emotionaler Bindung bzw. emotionalem Bindungsanteil und denjenigen ohne emotionale Bindungsdimension.


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